Die Behandlung von psychischen Erkrankungen ist ein wichtiger Teil des Gesundheitssystems in Deutschland. Viele Betroffene können durch stationäre Behandlung ihren Alltag einfacher bewältigen und erhalten Unterstützung. Eine wichtige Hilfe ist das betreute Wohnen. Das Ziel ist, dass die größtmögliche Selbstständigkeit mit professioneller Begleitung kombiniert wird.

Betreutes Wohnen für psyschich Kranke: Was steckt dahinter?
Betreutes Wohnen bedeutet ein Wohn- und Unterstützungsangebot für Menschen, die ihren Alltag nicht alleine bewältigen können. Es handelt sich nicht um einen dauerhaften Aufenthalt in der Klinik, sondern um Hilfen im eigenen Wohnraum oder in einem Wohnheim.
Die Betreuung und Hilfeleistung wird unter anderem von Sozialarbeitern und Pflegekräften durchgeführt und passt sich an die Bedürfnisse der Betroffenen an. So können Sie zum Beispiel nur ein paar Stunden pro Woche betreut werden oder auch rund um die Uhr, wenn Sie das benötigen.
An diese Personen richtet sich das Betreute Wohnen für psychisch Kranke
Das Angebot richtet sich an Menschen mit psychischen Erkrankungen, die zwar nicht dauerhaft stationär versorgt werden müssen, aber trotzdem Unterstützung in bestimmten Bereichen benötigen. Unter Anderem betrifft dies Personen mit:
- Schizophrenie oder schizoaffektive Störungen
- Bipolare Störungen
- Schweren Depressionen
- Persönlichkeitsstörungen
- Suchterkrankungen
Die Hilfen werden individuell an den Bedarf der Person angepasst.
Wohnformen
Es gibt verschiedene Modelle des Betreuten Wohnens.
👉 Ambulant Betreutes Wohnen:
Sie leben in Ihrer eigenen Wohnung und Fachkräfte besuchen sie regelmäßig zur Unterstützung. Das ist für Personen gedacht, die schon relativ gut in ihrem Alltag zurechtkommen. So klappt für Sie betreutes Wohnen mit eigener Wohnung.
👉 Appartmentwohnen:
Sie haben Ihr eigenes Appartment und nutzen dies selbstständig, aber wohnen in einem Gebäude mit anderen Betroffenen zusammen.
👉 Wohnheim:
Sie haben Ihr eigenes Zimmer und teilen alle anderen Einrichtungen.
👉 Betreute Wohngemeinschaften:
Sie wohnen mit anderen Menschen mit ähnlichem Unterstützungsbedarf zusammen. Sie teilen Haushalt und Alltag und erhalten Begleitung und Pflege.
In allen Fällen soll die Selbstständigkeit gefördert, aber auch ein leichteres Leben im Alltag garantiert werden.
Diese Unterstützung erhalten Sie beim Betreuten Wohnen
Die Leistungen sind vielfältig und passen sich an Ihre Bedürfnisse an. Darunter zählen:
- Unterstützung bei Haushaltsführung, Einkäufen und Arztterminen
- Begleitung im Umgang mit Behörden und Finanzen
- Hilfe bei Medikamenteneinnahme und sonstiger Gesundheitsvorsorge
- Förderung der Selbstorganisation
- Psychische Begleitung und Hilfe (zum Beispiel durch privat- oder Gruppengespräche)
- Krisenintervention
- Freizeitangebote
- Hilfe bei der Arbeitsvermittlung
So erhalten Sie Zugang zu Betreutem Wohnen
Wenn Sie an einer psychischen Erkrankung leiden und eine betreute Wohnmöglichkeit suchen, sollten Sie sich an die verschiedenen Träger des Betreuten Wohnens wenden. Es gibt mehrere Angebote:
- Sozialpsychiatrischer Dienst oder Sozialdienst
- Wohlfahrtsverbände
- Psychiatrische Kliniken
- Wohnheime
Träger dieser Leistungen sind zum Beispiel Diakonie, Caritas oder der Arbeiter-Samariter-Bund.
Damit Sie Betreutes Wohnen beantragen können brauchen Sie in der Regel die ärztliche Diagnose einer psychischen Erkrankung und ein ärztlicher Nachweis des Unterstützungsbedarfs.
Die Kosten für Betreutes Wohnen setzen sich in der Regel aus zwei Teilen zusammen: den Wohnkosten (Miete, Nebenkosten, Verpflegung) und den Betreuungskosten. Die Wohnkosten werden meist von den Betroffenen selbst bezahlt. Die Träger der Eingliederungshilfe übernehmen in der Regel die Kosten für die Betreuung.
Wenn Sie abgesehen von einer psychischen Erkrankung auch einen Pflegegrad haben, kann es sein, dass die Pflegeversicherung auch bestimmte Kosten übernimmt.
Es kann in manchen Fällen sein, dass Sie bestimmte Kostenbeiträge zahlen müssen, wenn Freibeträge überschritten werden.
Betreutes Wohnen für psychisch Kranke: Eine Hilfe im Alltag
Das betreute Wohnen bietet psychisch kranken Menschen die Möglichkeit, ein möglichst selbstbestimmtes Leben zu führen und dennoch die notwendige Unterstützung im Alltag zu erhalten. Es trägt entscheidend dazu bei, soziale Teilhabe und Lebensqualität zu verbessern. Damit ist es nicht nur eine Entlastung für Betroffene und Angehörige, sondern auch ein wichtiger Bestandteil der Gesellschaft.
Häufig gestellte Fragen
Welche Kosten entstehen und wer übernimmt sie?
Die Betroffenen zahlen in der Regel ihre Miete und Lebenshaltungskosten selbst. Die eigentlichen Betreuungskosten übernehmen meist das Sozialamt oder der Träger der Eingliederungshilfe.
Wie lange kann man im Betreuten Wohnen bleiben?
Die Dauer hängt vom individuellen Hilfebedarf ab. Manche Menschen benötigen nur für einige Monate Unterstützung, andere bleiben über Jahre im Betreuten Wohnen.
Wie finde ich einen Platz im Betreuten Wohnen in meiner Region?
Der erste Ansprechpartner ist meist das örtliche Sozialamt oder der Sozialpsychiatrische Dienst. Auch Kliniken, niedergelassene Psychiater oder Beratungsstellen können bei der Vermittlung helfen. Viele Träger haben zudem eigene Informationsseiten im Internet.