Einspruch gegen den Steuerbescheid können Sie grundsätzlich innerhalb eines Monats nach seiner Bekanntgabe einlegen. Der Einspruch muss rechtzeitig beim zuständigen Finanzamt eingehen; ein Anruf genügt nicht. Fehlt Ihnen noch eine ausführliche Begründung, sichern Sie zuerst die Frist und reichen die Erläuterung samt Belegen nach.
Hier erfahren Sie, wie Sie die Frist bestimmen, den Fehler nachvollziehbar benennen und den Einspruch über ELSTER oder schriftlich übermitteln. Bei einer strittigen Nachzahlung kommt zusätzlich ein Antrag auf Aussetzung der Vollziehung infrage.
Wann ist ein Einspruch sinnvoll?
Ein Einspruch ist sinnvoll, wenn der Bescheid von Ihrer Steuererklärung abweicht, eine Ausgabe oder ein Freibetrag fehlt, ein Betrag falsch übernommen wurde oder Sie selbst eine Angabe berichtigen müssen. Vergleichen Sie dazu den Aufbau des Einkommensteuerbescheids mit Ihrer abgegebenen Erklärung und lesen Sie die Erläuterungen am Ende des Bescheids.
Prüfen Sie insbesondere:
- Name, Anschrift, Steuernummer, Veranlagungsjahr und Steuerart,
- Einkünfte, Werbungskosten, Sonderausgaben und außergewöhnliche Belastungen,
- Freibeträge, Kinderangaben und bereits angerechnete Steuerzahlungen,
- Erstattung oder Nachzahlung einschließlich Fälligkeit,
- Erläuterungen des Finanzamts und Rechtsbehelfsbelehrung.
Eine Abweichung ist nicht automatisch ein Fehler. Das Finanzamt kann Aufwendungen bewusst nicht anerkannt haben und den Grund im Bescheid erklären. Bleibt die Berechnung unklar, können Sie das zuständige Finanzamt ermitteln und nachfragen. Lassen Sie dabei die Einspruchsfrist nicht verstreichen.
Wie lange läuft die Einspruchsfrist?
Die Frist beträgt nach § 355 Abgabenordnung einen Monat ab Bekanntgabe des Bescheids. Entscheidend ist nicht das Absendedatum Ihres Einspruchs, sondern der rechtzeitige Eingang beim Finanzamt.
Bei einem gewöhnlichen Brief im Inland gilt der Bescheid nach § 122 AO grundsätzlich am vierten Tag nach Aufgabe zur Post als bekanntgegeben. Bei fehlendem oder späterem Zugang greift diese Vermutung nicht; im Zweifel muss das Finanzamt Zugang und Zeitpunkt nachweisen. Notieren Sie deshalb den tatsächlichen Zugang und bewahren Sie den Umschlag auf. Fällt der errechnete Bekanntgabetag oder das Fristende auf einen Samstag, Sonntag oder gesetzlichen Feiertag, verschiebt sich der Termin auf den nächsten Werktag. Für Zustellungen und digitale Bereitstellung gelten eigene Bekanntgaberegeln.
Fehlt die Rechtsbehelfsbelehrung oder ist sie unrichtig, kann nach § 356 AO statt der Monatsfrist eine Jahresfrist gelten. Verlassen Sie sich darauf nicht ungeprüft: Senden Sie den Einspruch möglichst innerhalb eines Monats und weisen Sie bei einem späteren Einspruch konkret auf den Fehler in der Belehrung hin.
Einspruch Schritt für Schritt einlegen
Für einen wirksamen Einspruch müssen Absender und angefochtener Bescheid eindeutig erkennbar sein. Ein telefonischer Einspruch reicht nicht; eine eigenhändige Unterschrift ist dagegen nicht zwingend. § 357 AO erlaubt die schriftliche oder elektronische Einreichung sowie die Erklärung zur Niederschrift beim Finanzamt.
- Bescheid bezeichnen: Nennen Sie Steuerart, Veranlagungsjahr, Bescheiddatum, Steuernummer und gegebenenfalls das Aktenzeichen.
- Einspruch ausdrücklich erklären: Schreiben Sie klar, dass Sie gegen den bezeichneten Bescheid Einspruch einlegen.
- Abweichung benennen: Stellen Sie den Wert im Bescheid dem aus Ihrer Sicht richtigen Wert gegenüber.
- Begründung und Belege zuordnen: Erläutern Sie, weshalb die Festsetzung falsch sein soll, und fügen Sie passende Nachweise bei.
- Übermittlung dokumentieren: Nutzen Sie möglichst das ELSTER-Formular für den Einspruch und speichern Sie das Übermittlungsprotokoll. Bei Post oder Fax sollten Sie den rechtzeitigen Versand und Eingang belegen können.
Kurzes Muster für einen fristwahrenden Einspruch
Ein fristwahrender Einspruch kann den Bescheid eindeutig bezeichnen und die Begründung zunächst ankündigen. Verwenden Sie dafür etwa dieses Muster:
Hiermit lege ich gegen den Einkommensteuerbescheid für [Jahr] vom [Datum], Steuernummer [Nummer], fristgerecht Einspruch ein. Die Begründung und die dazugehörigen Nachweise reiche ich nach.
Setzt das Finanzamt anschließend eine Frist für die Begründung, müssen Sie diese beachten oder rechtzeitig um Verlängerung bitten. Das kurze Muster ersetzt nicht die sachliche Erklärung des behaupteten Fehlers.
Stoppt der Einspruch eine Nachzahlung?
Der Einspruch allein stoppt die Zahlung nicht. Nach § 361 AO bleibt der Bescheid grundsätzlich vollziehbar. Möchten Sie einen strittigen Nachzahlungsbetrag zunächst nicht zahlen, beantragen Sie zusätzlich die Aussetzung der Vollziehung. Begründen Sie ernstliche Zweifel an der Rechtmäßigkeit oder eine unbillige, nicht durch überwiegende öffentliche Interessen gebotene Härte.

Zahlen Sie den unstrittigen Teil fristgerecht. Erst wenn das Finanzamt der Aussetzung schriftlich zustimmt, ist der ausgesetzte Betrag vorläufig nicht zu zahlen. Bleibt der Einspruch später ganz oder teilweise erfolglos, können auf diesen Betrag Aussetzungszinsen entstehen. Bei allgemeinen Zahlungsproblemen ohne Streit über die Steuerfestsetzung gelten andere Wege; der Beitrag zu Steuerschulden und Zahlungsschwierigkeiten ordnet diese Möglichkeiten ein.
Einspruch oder Antrag auf Änderung?
Der Einspruch eröffnet die Prüfung des gesamten Steuerbescheids und ermöglicht einen Antrag auf Aussetzung der Vollziehung. Ein Antrag auf Änderung richtet sich dagegen nur auf den konkret bezeichneten Punkt und setzt eine passende Korrekturvorschrift voraus. Er kann je nach Rechtsgrundlage auch nach Ablauf der Einspruchsfrist möglich sein, bietet aber nicht dieselben Verfahrensrechte. Die schlichte Änderung zu Ihren Gunsten nach § 172 Absatz 1 Nummer 2 Buchstabe a AO setzt dagegen grundsätzlich einen Antrag innerhalb der Einspruchsfrist voraus.
Wenn die Monatsfrist noch läuft und die rechtliche Einordnung unklar ist, sichert ein Einspruch die weitergehende Prüfung. Bei einem offensichtlichen Zahlendreher oder einer klar abgegrenzten vergessenen Angabe kann ein Änderungsantrag einfacher sein. Die Finanzverwaltung erläutert die Unterschiede zwischen beiden Wegen in ihrer Gegenüberstellung von Einspruch und Korrekturverfahren.
Wie geht es nach dem Einspruch weiter?
Das Finanzamt prüft den Steuerfall erneut. Es kann dem Einspruch vollständig oder teilweise abhelfen und einen geänderten Bescheid erlassen. Bleibt es bei seiner Auffassung, erhalten Sie eine Einspruchsentscheidung. Gegen diese Entscheidung ist grundsätzlich innerhalb eines Monats eine Klage beim Finanzgericht möglich.
Die Bearbeitungsdauer ist nicht gesetzlich pauschal festgelegt. Rückfragen lassen sich oft vermeiden, wenn Berechnung, Begründung und Belege eindeutig zusammenpassen. Ändert sich Ihre Anschrift oder ergeben sich neue Tatsachen, teilen Sie dies dem Finanzamt unter Angabe der Steuernummer mit.
Häufige Fragen zum Einspruch
Kann ich meinen Einspruch zurücknehmen?
Sie können Ihren Einspruch bis zur Bekanntgabe der Einspruchsentscheidung schriftlich, elektronisch oder zur Niederschrift zurücknehmen. Damit verlieren Sie den eingelegten Rechtsbehelf. Benennen Sie Bescheid und Steuernummer eindeutig und erklären Sie die Rücknahme ausdrücklich. Prüfen Sie vorher die Folgen: Andere gesetzliche Änderungsmöglichkeiten des Finanzamts werden dadurch nicht ausgeschlossen.
Darf meine Steuerberatung den Einspruch für mich einlegen?
Ihre bevollmächtigte Steuerberatung kann den Einspruch für Sie einlegen und das Verfahren führen. Entscheidend ist, welche Verfahrenshandlungen die Vollmacht umfasst; das Finanzamt darf einen Nachweis verlangen. Klären Sie mit der Kanzlei, wer den rechtzeitigen Eingang überwacht und wer Belege nachreicht. Eine Bevollmächtigung verlängert die Einspruchsfrist nicht.
Kann der Steuerbescheid durch den Einspruch schlechter werden?
Das Finanzamt prüft den gesamten Steuerfall erneut, sodass auch eine höhere Steuer möglich ist. Vor einer solchen nachteiligen Änderung muss es die Gründe nennen und Ihnen Gelegenheit zur Stellungnahme geben. Prüfen Sie den Hinweis und die Berechnung, bevor Sie reagieren; eine Änderung zu Ihren Gunsten ist durch den Einspruch nicht garantiert.

